Denk dich ins Leben!

Es hätte schlimmer kommen können. Ich weiß. MS ist nicht tödlich, zumindest vordergründig nicht. Es ist eine andere Art von Damoklesschwert, das Assoziationen weckt: Gehstock, Rollator, Rollstuhl. Ein möglicher Werdegang, den viele prophezeien. Auch bei mir ist diese Prophezeiung eingetreten. Hat also bestens geklappt – bis hierhin.

Doch von Anfang an, denn immerhin ist dies ein Beitrag zur „LebensMUTivations-Flashmob – Blogparade“, initiiert von Andrea Heckmann. Diese Blogparade hat vor allem eins im Blick: den LebensMUT behalten.

Und darin bin ich – Achtung, Eigenlob! – Profi. Als ich vor einem Vierteljahrhundert mit der Diagnose Multiple Sklerose konfrontiert wurde, hat es mich nicht vom Sockel gerissen. Natürlich kamen Ängste auf, auch warf ich ein paar Lebenspläne über Bord. Zum Glück, sage ich heute. Andere Ideen dagegen erfüllten sich auf wunderbare Weise.

Warum eigentlich?

Mein Denken lautet: Diese Diagnose ist nicht mein Leben. Sie ist nur ein Teil davon.  Okay, mittlerweile dank Rolli, Behindertenausweis und Pflegegrad nicht zu übersehen… Das ist natürlich an manchen Tagen frustrierend und beängstigend. Und ja, wenn diese Gefühle hochkommen, lasse ich sie zu. Ich kenne die dazugehörigen Tiefs, oh ja. Sie wegzudrängen, das wäre ein Eigentor, denn irgendwann kämen sie wieder und dann wären sie übermächtig, nicht mehr verhandelbar, bösartig.

Aber es gibt permanent die anderen Momente, die überwiegen: Der Blick von unserer Terrasse ist auch im Sitzen schön […ups, falsches Bild…]. Nur eines von unzähligen Beispielen.

Das interpretieren manche als „sich alles schönreden“. Äh, mal ernsthaft: Der Blick von unserer Terrasse ist schön. Da brauche ich nichts „schönzureden“.

Der Trick ist, das einfach mal wahrzunehmen. Leider beobachte ich viel zu oft, wie schnell dieses Wahrnehmen bei Menschen angesichts von Schicksalsschlägen verkümmert. Nachvollziehbarerweise! ♥ Da ist es ein schönes Gefühl, als lebensmutiges Beispiel vorangehen, äh, -rollen und vorleben zu dürfen, wie es sich damit arrangieren lässt, dass die Welt eine wahrlich herausfordernde Schönheit ist.

Oder anders gesagt: Wir haben eventuell nur ein Leben, einen Versuch, das Beste draus zu machen. Ich riskiere da lieber nichts!

Das alles hat meinen Fokus stets auf andere Dinge gelenkt als auf meine Diagnose. Auch, wenn ich allein zehn Jahre lang dreimal die Woche Interferon gespritzt habe und die dazugehörigen Schüttelfrostanfälle mit Paracetamol ausbremsen durfte. Und vieles mehr… Ja und? Das war ja nicht mein kompletter Tagesinhalt, da standen ganz andere Aktionen im Vordergrund. Zum Beispiel ein komplettes Business als Trainerin und Coach aufzubauen, Bücher zu schreiben undundund…

„Und jetzt?“, fragt sich da sicher wieder jemand, wenn er/sie/es meine Rollstuhlbilder auf meiner Website sieht. Najaaa, aber dieser Rolli steht auf einer großen Bühne, oder? Ach ja, und gleich wird mir anheimgestellt, dass ich mich für meine Behinderung feiern ließe.

Falsch!

Richtig ist: Ich lasse mich gerne feiern – und zwar für meinen LebensMUT, „trotzdem“ dranzubleiben. Was mir übrigens auch wieder ein Buch zu schreiben wert war…

Ja, ich plane Großes (siehe mein Vortrag bei Gedankentanken), bei dem mancher den Kopf schüttelt über soviel Naivität. Das geht nicht ohne eine gehörige Portion Lebensmut – dieses Dranbleiben, immer wieder Neues ausprobieren, Rückschläge meistern. Aber das Ziel ist so genialschön, da lohnt sich der „Aufwand“.

Tja, und dann gibt es sicher Stimmen, die sagen: „Klar, das würde ich auch so machen, wenn ich stark / selbstbewusst / cool /… [hier eigene Beispiele einfügen] … genug wäre.“

Jetzt könnte ich sagen: „Tja, das habe ich halt immer schon gekonnt, da haben andere eben Pech“ – und weiß genau: Das ist Quatsch!

Nochmal: Das ist Quatsch!

Wer oder was hindert dich daran, jetzt, in diesem Moment die Entscheidung zu treffen, dein Leben zu lieben? Nicht erst, wenn… nicht, obwohl… nicht mehr, seid… Sondern jetzt!

Ja, das ändert (zunächst) nichts an deinen Umständen. Logisch. Um die geht es hier auch nicht. Es geht vielmehr um dich und die Frage, was du aus den Umständen machst. Wie du über sie denkst. Welchen Einfluss du ihnen über dein Denken gibst – und damit über dein Leben. Schon mal drüber nachgedacht, an dich zu denken? Aus eigener Erfahrung erlaube ich mir zu sagen: Das lohnt sich!

Mach was draus.