Irgendwann ist irgendwas für irgendwas gut

Als wir unser Haus verkaufen mussten, weil 35 Stufen allein bis zur Haustür für mich irgendwann nicht mehr zu bewältigen waren, ließen wir viel Inventar und Möbel zurück. Das junge Käuferpärchen nahm es dankbar an. So viele Dinge nahmen wir in die Hand und mussten uns entscheiden, ob hopp oder top.

Das ist jetzt zweieinhalb Jahre her. Was wir an Werkzeug, Bastelkram und sonstigem Gedöhns mitgenommen hatten, liegt nun ordentlich verstaut in den Regalen in unserem Vorratsraum.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir zwei Staubmasken hatten. Immerhin hatten wir unser Häuschen kernsaniert – Gas, Wasser, Sch…, Strom, alles neu, Wände versetzt, neue Bäder, Tapeten, Böden undundund. Ich wollte die Masken mitnehmen, mein Mann nicht, denn was sollten wir damit in einer Neubauwohnung, in der es die nächsten Jahre sicher keinen Bedarf dafür geben würde?

Ich packte sie dennoch ein, keine Ahnung, warum. Genaugenommen weiß ich den Grund bis heute nicht.

Und dann kam gestern die Frage von meinem Mann: „Hatten wir nicht noch Masken…?“ Und ja, ein Griff ins Vorratsraumregal – da waren sie.

In den Läden sind Schutzmasken ausverkauft. Einkaufen ohne Schutz als Mitglied mehrerer Risikogruppen? Wir merkten, dass uns damit unwohl ist. Da kursiert ein Virus, das macht uns vorsichtig, auch mit dem Blick auf andere, die es zu schützen gilt.

Ich könnte jetzt sagen: „Siehste! Guuut, dass wir sie damals mitgenommen haben!“ Ja, vor einem Jahr hätte ich das wohl gesagt. Doch heute nicht mehr, denn ich habe mich verändert. Ein Jahr meditieren macht was mit einem. Die Selbstwahrnehmung ändert sich. Es ist nicht mehr nötig, sich aufzuplustern. Heute bin ich dankbar dafür, dass sich wieder etwas Gutes gefügt hat. Dieses Gefühl der Dankbarkeit tut gut und fühlt sich besser an als jede Form der Selbstgerechtigkeit.

Mach was draus.