Katja Kerschgens bei GEDANKENtanken

Interview und Vortrag zum PlanB

Es gibt ein ausführliches Interview mit Dr. Stefan Frädrich von GEDANKENtanken zu meinem Vortrag auf der 2. Stuttgarter Rednernacht.
Viel Spaß beim Anschauen:

Als die Zusage von GEDANKENtanken und dem Team von Dr. Stefan Frädrich für die 2. Stuttgarter Rednernacht kam, habe ich es kaum fassen können. Ich sollte in der dortigen Liederhalle vor über 2.000 Zuhörern auftreten? Was für ein Privileg! Und tatsächlich, es war ein grandioses Erlebnis!
Hier könnt ihr daran teilhaben:

3 Faktoren für ein positives Mindset trotz Rückschlägen

STUTTGART-REDNERNACHT-Uns eint alle ein gemeinsames Schicksal: Wir alle sind Laien, Lebenslaien. Ich gehe mal davon aus: Niemand von uns kam auf die Welt und hat dann schon ein fertiges Zertifikat oder Ausbildungszeugnis in der Hand gehabt, was nachwies, dass wir schon perfekt auf unser kommendes Leben vorbereitet sind. Vielmehr war es wohl so, dass andere Menschen uns erzogen, belehrt, uns Lebensweisheiten mit auf den Weg gegeben haben: Und auch diese Menschen da sind ja alles Lebenslaien, auch die wiederum kamen auf die Welt, hatten von nix ´ne Ahnung und haben sich von den Altvorderen die Welt erklären lassen - soweit diese sie verstanden hatten. Und so kann man das von Generation zu Generation zu Generation zurückverfolgen. Forscher gehen davon aus, dass etwa 100 Milliarden Menschen schon vor uns existiert haben - alles Lebenslaien. Die wussten ja auch nicht, was sie jetzt machen sollen mit dem, was sie vorfinden.

Allerdings eine Sache unterscheidet euch alle von all diesen Menschen: Ihr lebt. Jetzt. Und ich finde, das ist ein Privileg, da kann man doch was draus machen, da kann man doch wirklich aus dem, was man gelernt und mitbekommen hat, auch irgendwie die nächsten Schritte machen…

Und dann kommt das Universum, dann kommt das Leben und schmeißt uns Knüppel zwischen die Beine - und dann schlägt das Schicksal zu. Dann passieren manchmal Sachen wie was ganz Harmloses, zum Beispiel so ein nervtötender Nachbar, den man nicht los wird, oder ein cholerischer Chef oder es läuft richtig schlecht bei euch und ihr verliert euren Job oder ihr erlebt einen Unfall, du wirst krank, du verlierst einen nahestehenden Menschen - und damit wird das Privileg des Lebens auf eine Probe gestellt und all das, was man mal gelernt hat, was wir mal mitbekommen haben, das nützt uns überhaupt nichts mehr. Wir stehen da rum, denken: Um Gottes willen, was mache ich jetzt damit? Dann kommt die Verzweiflung, die Wut, die Hilflosigkeit…

Auch bei mir hat - kann man ja nicht übersehen - das Schicksal zugeschlagen. Ein großes Wort. Nächstes Jahr ist es 25 Jahre her, nächstes Jahr lebe ich seit einem Vierteljahrhundert mit der Diagnose MS - Multiple Sklerose. Das ist diese völlig überflüssige Erfindung, wo das eigene Immunsystem die Verpackung um die Nervenbahnen herum angreift, es entsteht so eine Art Lochfraß, offene Stellen können sich entzünden und dann fällt irgendwas aus: laufen oder sprechen oder fühlen oder sehen oder was eben gerade dran ist. Das ging bei mir viele Jahre lang sehr, sehr gut. Und dann ging es in einem unglaublichen Tempo bergab, und ich musste von jetzt auf gleich manchmal Dinge wirklich aufgeben. Malen oder Schlagzeug spielen oder Motorradfahren oder Reiten oder Auto fahren - plötzlich war das alles nicht mehr drin.

Aber ich muss dazu sagen, ich habe jetzt einen ziemlich großen Fuhrpark. Er besteht aus zwei Rollstühlen, einem E-Scooter, einem Rollator und zwei Gehstöcken, und jeden Tag darf ich in meinem Bugatti sitzen. Da haben die Jungs mit ihren auf Pump bezahlten Ferrari echt Pech. Meins wird von der Krankenkasse bezahlt… Merkt man eigentlich sehr, dass ich in Hörweite vom Nürburgring wohne…? Egal…

Schicksal. Wenn einen das Schicksal trifft, ein solches, ein schlimmeres, dann stellen sich Menschen oft eine Frage, und diese Frage lautet dann: Warum? Oder mehr noch: Warum ich? Diese Frage stelle ich mir nicht. Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt. Ich bin der Meinung, diese Frage ist brutale Zeitverschwendung. Ich krieg sowieso keine Antwort darauf. Was soll ich meine Energie in so eine Frage stecken, wenn ich sie vielleicht gebrauchen könnte dafür, dass es irgendwie weitergeht.

Also stelle ich mir eine andere Frage. Immer dann, wenn das Leben andere Pläne hat als ich, da frage ich mich: „Okay - und was mache ich jetzt daraus?“

Das ist natürlich eine Art Lebenseinstellung - das klingt jetzt groß - und die habe ich ja irgendwo auch meinen Altvorderen zu verdanken. Die haben mir eine ordentliche Portion Pragmatismus mitgegeben. Coole Sache, das. Damit komme ich ziemlich gut durch. Und heute will ich euch unbedingt daran teilhaben lassen, wie das funktionieren kann auch für Jemanden, der vielleicht ein bisschen anders gestrickt ist.

Drei Faktoren habe ich euch mitgebracht: Der erste Faktor „deine Mitmenschen“, der zweite „dein Denken“ und der dritte „deine Wirklichkeit“.

Deine Mitmenschen:

Also bei mir ist es so, dass ich schon seit geraumer Zeit ein Ziel verfolge, einen Plan, meinen persönlichen Plan B - und der lautet: Raus aus dem Rolli! Jetzt gibt es natürlich eine ganze Menge Leute, die sagen: „Vergiss es, das gibt keinen. Mit der Krankheit, mit der Vorgeschichte, mit dem Verlauf - never ever! Eher wird es noch viel schlimmer!“ - und die haben sogar Recht: Es wurde echt immer schlimmer. Aber es gibt auch Menschen, die haben genau das geschafft, die haben trotz der Erkrankung und teilweise noch in einem viel schlimmeren Zustand es nachweislich, beweisbar geschafft, anhand von verschiedensten Methoden im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf die Beine zu kommen, und an denen orientiere ich mich, das sind meine Vorbilder.

Das ist natürlich so eine Sache, aber zurzeit, wirklich, kein Quatsch, seit ein paar Wochen, ja seit ein paar Tagen tut sich was, greifen die Methoden - es sind viele, die ich mache. Seit ein paar Tagen kann ich mir die Schnürsenkel wieder zuziehen - also jetzt nicht an diesen Schuhen... Ich kann mich wieder nach dem Duschen freistehend, ohne mich festzuhalten abtrocknen. Das ist für euch normal, ist für mich nicht normal gewesen, zumindest zum Schluss jetzt. Oder ich kann tatsächlich Dinge, die ich vorher nicht konnte und die machen mich… da bin ich völlig von den Socken: Ich laufe abends - oder besser gesagt: ich tapere mit dem Rollator durch unsere Wohnung. Ich habe völlig aus den Augen verloren, wie weit so ein Kopf im Stehen, im Gehen, im aufrechten Gang, wie weit der vom Boden entfernt ist! Mein Gott, ist das bei euch auch so?

[Applaus]

Das alles habe ich nur schaffen können, bisher habe ich nur durchhalten können, meinen Optimismus behalten, meine Kraft behalten aus dem Grund - trotz aller Wutanfälle, trotz aller Enttäuschungen, trotz aller Nervenzusammenbrüche, auch die hatte ich - hat das funktioniert, weil ich mich an Menschen orientiere, die mein persönliches Tun positiv begleiten, die mir Unterstützung geben. Und um alle anderen, um die Jammerer, um die Schlechtredner, um die Zweifler mache ich einen riesengroßen Bogen. Das ist auch mein Tipp an euch: Guckt bitte, mit wem ihr euch umgebt, denn die Mitmenschen, mit denen ihr euch umgebt. die haben ganz großen Einfluss auf Faktor Nummer zwei - und das ist dein Denken.

Mit Denken meine ich nicht dieses vordergründige Denken, sondern das, was wir im Unterbewusstsein wirklich über die Sachen denken, und um dahinter zu kommen, was wir im Unterbewusstsein denken, gibt es ganz viele Methoden, aber es gibt ein total tolles Indiz und dieses Indiz ist eure Sprache, die Wörter, die du benutzt, die Formulierungen, die du benutzt. Diese verraten viel von dem, was du eigentlich denkst. Hier, ganz simple Beispiele, nämlich, du kommst zu spät zu einem vereinbarten Termin, wütend, „orr, zu zu spät“ und sagst ganz spontan: „Ich wurde aufgehalten“. Jetzt werde ich mal total pingelig, denn gerade diese kleinen Sachen machen es aus beziehungsweise verraten, was wir eigentlich denken. Wenn jemand sagt, „ich wurde aufgehalten“, ist das auch so ein bisschen so, als wenn so eine höhere Instanz dafür zuständig ist, das war nicht ich, also ich behaupte, der ist schuld, ich kann nichts dafür - das ist eine Opferhaltung. Umgekehrt wäre es, wenn ihr zum Beispiel sagt: „Ich habe mich aufhalten lassen“ und dann seid ihr in eurer eigenen Verantwortung, du hättest einen Anteil daran. Ich will nicht sagen, ihr seid schuld, um Gottes willen, darum geht es nicht. Es geht um: Was ist mein Eigenanteil, was tue ich daran, wenn mich der Nachbar vollquatscht, der nervtötende, ist es doch meine Entscheidung zu sagen, „ich habe gleich einen wichtigen Termin und bin dann mal weg“. Ist doch meins. Anderes Beispiel: Ihr sagt schon mehrfach am Tag, „ich muss noch den Müll runterbringen“, das hat aber bisher nicht geklappt. Ich habe so eine Ahnung, woran das liegen könnte. Das ist nämlich wieder so eine höhere Instanz. Sie sagt, „du hast zu…“ und spätestens dann hört es bei uns auf.

STUTTGART-REDNERNACHTDas kennt man noch von früher, wenn die Mama früher sagte: „Räum dein Zimmer auf!“ Kannst ja viel erzählen, höhere Instanz, kein Interesse. Stattdessen können wir Folgendes machen: Statt zu sagen, „ich muss noch den Müll runterbringen“, können wir sagen: „Ich werde noch den Müll runterbringen, sonst fängt er an zu stinken!“ Aha, und dann habe ich ein Warum und sobald ich ein Warum habe, hat mein Unterbewusstsein eine klare Botschaft und weiß, wofür das alles gut ist. Um noch mal zurückzukommen zu dem Beispiel von früher: Wenn nämlich der erste Freund oder die erste Freundin zu Besuch kam, dann war das Zimmer wie von Zauberhand… Das Warum war schon cool irgendwie…

Apropos Warum: Je stärker mein Warum ist, umso höher ist die Chance, dass ihr dranbleibt, dass du Dinge wirklich änderst, dass ich etwas konsequent anders mache als bisher, dass ihr euch auch möglichst heute von euren Mitmenschen zum Teil trennt, und ich habe zwei schöne Beispiele, die zeigen, was ein Warum sehr stark machen kann. Das erste Beispiel - ich nehme mal folgendes: „Ich will abnehmen“ ist die Aussage, es klappt aber auch nicht. Ich habe auch da so eine Ahnung: Willst du abnehmen oder will es die Gesellschaft, also wollen andere das von mir? Habe ich das irgendwo gelesen, in irgendeiner Zeitschrift, da steht, man hat eine schöne Figur zu haben. Oder kam jemand auf mich zu und sagt: „Hey, mit deinem Alter musst du aber schon aufs Gewicht achten!“ Dann klappt das mit dem Abnehmen nicht wirklich. Aber wenn du einen eigenen Grund hast und sagst, „ey Mann, ich möchte wieder ohne Schnaufen die Treppen raufkommen“, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass du wirklich dranbleibst, wesentlich höher, denn dann hast du ein konkretes, klares, intrinsisches, aus dir herauskommendes Warum.

Apropos konkret: Wenn ein Arzt euch sagt - also, nicht euch, ihr seid alle fit -, aber wenn ein Arzt zu einem Patienten sagt: „Bleiben Sie bei ihrem Lebenswandel, dann werden sie entweder einen Herzinfarkt bekommen oder einen Schlaganfall oder früher sterben oder alles zusammen“, das ist eigentlich ein super Argument, das Leben vielleicht mal irgendwie zu ändern, aber klappt auch nicht so richtig - und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Irgendwann mal krank zu werden, irgendwann möglicherweise vielleicht mal zu sterben an etwas, ist für mich nicht konkret genug, hält mich nicht dran, aber - und das ist der Vorteil bei meiner Krankheit - was für ein Satz… Ich habe nämlich eine ganz konkrete Vorstellung, ich habe eine ganz konkrete Vorstellung: Der Rolli steht irgendwann bei mir in der Ecke und staubt zu, und ich lauf auf zwei Beinen ohne Stöcke durch den Wald.

[Applaus]

20180407-STUTTGART-REDNERNACHTDiese Vorstellung oder dieses Warum, was sich dahinter verbirgt, ist extrem konkret. Also sieh bitte zu, dass dein Warum so konkret wie möglich ist und dass es intrinsisch ist, also aus dir herauskommt, dann ist die größtmögliche Chance, dass euer Warum auch tatsächlich zum ändern, aushalten oder beibehalten von etwas wirklich beiträgt. Das ist ganz entscheidend.

Also, wir haben gerade darüber gesprochen, dass die Art und Weise, wie Sprache mein Denken widerspiegelt, mein unterbewusstes Denken, aber es funktioniert übrigens auch umgekehrt. Das heißt, wenn ihr ganz bewusst bestimmte Worte benutzt, wenn ihr ganz bewusst bestimmte Formulierungen benutzt, dann beeinflusst das euer Denken und das beeinflusst Nummer drei - und das ist eure, deine Wirklichkeit.

Wenn mir jemand sagt, „du bist ja krank“, am besten auch so ein bisschen mit Betroffenheitsgesicht - habe ich total gern -, dann sage ich jedes Mal: „Nein, ich bin nicht krank, ich habe eine Krankheit. Ob sie mich hat, ist noch nicht entschieden.“

[Applaus]

Die Art und Weise, wie du über dich sprichst, spiegelt wider, wie du denkst. Und wenn du anders über dich sprichst, gut über dich sprichst, denkst du auch anders über dich, und dann ist auch deine Wirklichkeit damit beeinflusst - und deine Wirklichkeit beginnt immer zwischen deinen Ohren. Natürlich kann dein Denken nicht deine Situation sofort ändern oder eine Herausforderung, Umstände, dir über dich hereinbrechen, aber dein Denken kann deinen Umgang damit ändern. Und darum geht's: Wie denkst du über dich? Damit fängt alles an.

Ich denke über mein Leben: Ich finde es zu 99 Prozent total großartig und ich bin unheimlich dankbar dafür, was ich alles erleben durfte, was ich jetzt gerade hier erleben darf und was ich ganz bestimmt noch erleben werde. Und wie immer ihr über euer Leben denkt, bitte denkt an eine Sache ganz fest: Nehmt euer Leben nicht so ernst, es ist noch kein Mensch lebend davongekommen!

[Applaus]

100 Milliarden Lebenslaien haben es uns vorgemacht, und was immer dein Leben an persönlichen Herausforderungen bereitstellt: Mach! Was! Draus! Vielen Dank!

[Applaus]

Live auf der GSA-Bühne

„Danke, es geht im Sitzen“:

Katja Kerschgens, PlanBMentorin und Redenstrafferin, spricht auf der GSA (German Speakers Association) Winterconference 2019 vor einem ganz speziellen Publikum über Perforation statt Perfektion.

[hinter dem Vorhang]

Ja, ja, ja, genau – ja, genau – ja, ja, ich bin auf der GSA Winterconference. Ja, ich weiß, ja, nur Speaker hier. Ja, ja, ja – ja, ich habe auch ein bisschen Sorge, weil mein Thema ist so nach dem Motto „ein Thema finden“, auf dem Rolli sitzen - hat ja immer so „Behi-Bonus“ und hat – ja…

[Moderatorin:] Katja?!?

Wie, was? Hast du mich schon anmoderiert…?

[Moderatorin:] Ich hab´ dich schon anmoderiert. Und die Leute…

Ist das Mikro offen…?

[Moderatorin:] …warten auf dich… Dein Mikro ist offen, ja!

Okay…

[Moderatorin:] Vielleicht möchtest du ja…

[Applaus]

[Moderatorin:] Katja!

[auf der Bühne]

Äh, das war jetzt irgendwie anders geplant… Es läuft ja nie so perfekt, da ist irgendwie ein Plan im Kopf und dann funktioniert es doch nicht. Ja, ich weiß nicht… Wir wollen ja immer so perfekt sein, so perfekt wie möglich, so gut wie möglich, wirklich, alles super machen und dann kommt es doch anders und ich hab´s vor ein paar Jahren erlebt - da habe ich ein Seminar gegeben, supertoll, ein schöner Tag, super nette Truppe, war total klasse, wirklich perfekt gelaufen - und am Schluss bringt mich die Dame, die Chefin mit ans Auto, den ganzen Kram da ins Auto schleppen, die ganze Entourage – Barbara Messer weiß, was ich meine – und ich stehe am Auto, ich räume den Kram ein, und sag dann so – während wir uns unterhalten: „Ist es okay, wenn ich jetzt schon mal die Schuhe wechsle, weil ich gleich zum Fahren andere Schuhe brauche“ und „ja klar, kein Problem“ - also die Damen wissen, warum das so ist. Ich ziehe den ersten Schuh aus, ich stelle einen Fuß auf die Stoßstange von meinem Wagen - und aus meinem Socken prangt ein dickes, fettes [geflüstert] Loch…

Und ich dachte so: „Das ist jetzt ja wohl nicht wahr! Jetzt habe ich mir so einen tollen Tag hingestellt, ich habe das so perfekt gemacht, es war alles super - und das Letzte, was die jetzt vor mir vor Augen hat, ist dieses Loch im Strumpf! Und ich habe wochenlang daran rumgeknabbert: Das kann doch wohl jetzt nicht wahr sein! Ich hab mich geärgert! Wie doof eigentlich, ne? Weil - das Seminar war toll, der Tag war toll, die Teilnehmer waren begeistert - alles super. Und dieses blöde Loch hängt mich irgendwie ab…

Ich wollte es doch perfekt machen, so perfekt… Und früher, früher, da war ich irgendwie anders. Früher da war ich so… bisschen mehr Mut zur Lücke, ja? Also irgendwie zu einem bestimmten Alter schaffst du das mit dem Mut zur Lücke. Ende 20 zum Beispiel, da war ich noch fest angestellt und da war ich unter anderem Redakteurin für ein Fachmagazin, und zwar für ein Schlagzeug-Fachmagazin – jaha, ich habe Schlagzeug gespielt, in mehreren Bands sogar, ich habe für ein Magazin geschrieben, ich habe mehrere Schlagzeuge besessen, jaha, habe auch eine Vergangenheit…

Und ich habe damals den Auftrag gehabt, dass ich den Schlagzeuger von Halloween interviewen sollte – Heavy Metal-Band, kannte ich auch nicht - und ich ging also hin, hab den dann auch interviewt, war super, war ein Deutscher, wunderbar - und dann habe ich mich in der Backstage so herum gefragt, ob es möglich ist, dass ich den bitte nicht aus dem Graben unten fotografieren darf, sondern auf der Bühne, weil Heavy Metal-Schlagzeuger – hallo? - die haben unglaublich viel Zeug um sich herum, und dann siehst du aus dem Graben von unten überhaupt nichts mehr – erst recht nicht den Schlagzeuger… Und im Zuge der Diskussion kam irgendwann auch ein Ami mit so´m Klemmbrett - ich glaube, das ist bei denen angeboren mit dem Klemmbrett - und sagte irgendwas, schob mich in so einen Raum, setzte mich aufs Sofa, und ich dachte, „ja, okay, was hat das jetzt mit Backstage und Bühne…“ - und da kommt Nico McBrain um die Ecke! Die waren nämlich die Hauptband an dem Abend – Iron Maiden! Und ich dachte… Der sieht mich und sagt: „Ah, you are a girl, you want an interview? Okay, come on!“ „Okay“, dachte ich, gut, war jetzt nicht in meiner Payrole, egal.

Ich habe mein Aufnahmegerät genommen und ich wusste nur zwei Sachen: Erstens, der ist der Schlagzeuger von Iron Maiden – Iron Maiden? Hard Rock? Keine Ahnung, ich war Prince-Fan zu der Zeit.

[Lachen]

Erstens. Zweitens, ich wusste überhaupt nicht, was den ausmacht. Ja, irgendwas mit Double Bassdrum, ich hab da mal was gehört… Egal, rein, ran – wird schon irgendwie werden. Jungs, haut rein, wird schon ein Haus werden…!

Ich stellte mein Ding dahin, mein Aufnahmegerät, und ich dachte noch so: Okay, jetzt kram noch so ein bisschen dein Schulenglisch raus, weil - ich habe zwar nach der Zehnten abgewählt, aber wird schon irgendwie gehen…Ich hab das auch hinbekommen schon mal. Ich habe zum Beispiel mal den Schlagzeuger von den Red Hot Chilli Peppers auch interviewt. Netter Kerl, der wollte mich heiraten zum Schluss, super…

Also habe ich angefangen mit diesem Interview. Das war auch alles kein Problem eigentlich, wenn er denn Englisch gesprochen hätte! Aber der sprach fließend Schottisch!

[Lachen]

Die Tanja Köhler könnte das locker, aber ich habe echt ein Problem, aber ich habe doch keine Ahnung…

Ich habe das Interview irgendwie angefangen. Ich habe während des ganzen Interviews quasi kein Wort verstanden. Ich habe ein paar Begriffe aufgegriffen, hab so ein bisschen die nächste Frage daran aufgehängt und habe mich irgendwie durchgewuselt…

Ich habe dieses Interview mit meinem heutigen Mann dann wirklich Schritt für Schritt versucht zu übersetzen - und der kann gut Englisch, der ist Frank Zappa-Fan, hey, so. Der konnte das, und wir haben das so Pi mal Daumen irgendwie hinbekommen. Und dann habe ich das abgeschickt und dann wurde das auch veröffentlicht mit… ja…

Ich habe ein einziges Mal einen Leserbrief bekommen in all den Jahren, wo ich für diese Zeitschrift geschrieben habe, und zwar genau anlässlich dieses Interviews. Und da schrieb einer: „Lasst es immer die Katja machen, die kann´s!“

Also, man sagt ja immer, 80 Prozent reichen - das waren keine 80 Prozent, never ever. Aber klar, Mut zur Lücke, warum nicht einfach, just do it, rein…

Achso, kleine Geschichte noch für die Damen: Ich habe den Schlagzeuger von Halloween tatsächlich aus dem Graben heraus fotografieren müssen, aber ich habe auch Nico gefragt: „Ey, Nico, ich hab´n Problem… fotografieren… riesiges Set…“ „Wait! You are an girl? Wait!“ Also, ein bisschen habe ich was verstanden, okay…

Und dann hat er sich darum kümmert und im Endeffekt habe ich die ganze Zeit hinten in der Backstage auf einem schmalen Stuhl gesessen, ich hatte überhaupt keine Bamsl an, so von wegen Backstagausweis, nothing! Also, wenn mich einer erwischt hätte, ich wäre hochkantig… egal! Fotoapparat festhalten, warten. Und irgendwann kam Iron Maiden an mir vorbei, als Letzter Nico, winkte noch mal kurz, und dahinter der Drumcoach - und der rief dann auch: „Come on, come on, come on with me!““ Und ich bin mit auf die Bühne, und dann haben die angefangen zu spielen - glaube ich, ich war im Tunnel -, und dann der Drumcoach mir noch einen Hocker hingestellt, ich hab mich da draufgestellt, er hat die Becken oben auseinandergehalten, damit ich den Nico so schön von oben fotografieren konnte. Und der hat super mitgemacht!

Ich sage euch eins: Ich bin so ein Stück über den Boden nach Hause, und die ganze Zeit ging mir so´n Lied durch den Kopf, was ein paar Jahre vorher ein Hit gewesen war: [singt] „Ich bin so froh, dass ich ein Mädchen bin, ich bin so froh, dass ich ein Mähäähädchen bin!“

[Lachen]

Na ja. Also irgendwie ist mir das verloren gegangen eine Zeitlang, also, dieses Mut zur Lücke… Es ging immer darum, perfekt zu werden, immer perfekter… Jetzt spoiler ich mal ein bisschen den Vortrag. Am Ende werde ich euch sagen: „Es geht nicht um Perfektion, es geht um Perforation! Also lebt die Löcher!“

[Lachen, Applaus]

Und ich erzähle euch jetzt mal die Story, wie ich da hingekommen bin. Dafür fangen wir mit dem gefühlsechten Teil dieses Vortrags jetzt auch mal an, den brauchen wir jetzt.

Jetzt sucht euch bitte ganz schnell einen Nachbarn, eine Nachbarin, einen Divers aus, okay? Also tut euch zu zweit zusammen.

[Lachen, Gemurmel]

So, danke. Kennt ihr das aus Seminaren? „Tut euch bitte zu zweit zusammen“ und dann fangen die an zu quatschen… Ich weiß auch nicht, warum…

Jetzt macht ihr bitte Folgendes. Nehmt bitte euren Zeigefinger und legt diesen Zeigefinger gegen den Zeigefinger eures Partners, eurer Partnerin, eurer Divers.

[Publikum macht mit]

Und so flach aneinander, flach aneinander, so richtig kuschelig. Richtig kuschelig. Und jetzt nehmt ihr bitte die andere Hand und reibt über diese beiden Zeigefinger mit Zeigefinger und Daumen zu drücken. So drüber, sooo drüber reiben…

[Lachen]

Erotischer wird's nicht!

[Lachen, Publikum macht mit]

Jetzt aber wechseln, dass beide drankommen, also wirklich abwechselnd…

[Lachen, Publikum macht mit]

Zusammen, also müsst ihr wirklich mit zwei Fingern machen – sooo, perfekt, so mit zwei Fingern und wenn jetzt jemand über geblieben ist, dann mach das bitte mit der, dem, das auch normal, ja? Orr, dieser Genderkram hält schon den Verkehr auf, oder…?

Dankeschön, habt ihr super gemacht!

Für manche von euch hat sich das jetzt vielleicht ein bisschen komisch angefühlt, bisschen seltsam - fühlt man, fühlt man nicht…

Jetzt macht bitte mal Folgendes: Potenziert dieses Gefühl, was ihr gerade hattet, auf euren gesamten Körper, und stellt euch mal vor, euer gesamter Körper würde sich so anfühlen - wenn ihr euch selber anfasst. Also wie so eine Gummihaut. Mit genau dem Gefühl bin ich damals zu meinem Hausarzt. Er war ziemlich pfiffig, hat mich gleich zur Neurologin geschickt, die hat mich in die Kernspin schieben lassen und dann kam - da habe ich Glück gehabt, weil die meisten nämlich unglaublich lange suchen müssen, bis sie endlich wissen, was sie haben -, aber ich habe damals erfahren, im Dezember 1994: Jawoll, die Diagnose lautet MS - Multiple Sklerose.

Das ist übrigens dieser völlig überflüssige Quatsch, wo das eigene Immunsystem die Verpackungen um die Nervenbahnen herum angreift, dann entsteht so eine Art Lochfraß, und die offenen Stellen können sich entzünden, und dann fällt irgendwas aus: laufen oder sprechen oder sehen oder fühlen oder – oder, hier, Dings – Wortfindungsprobleme. Und das ist jetzt genau - ich habe dieses Jahr Jubiläum -, das ist jetzt genau 25 Jahre her.

Und vor 18 Jahren habe ich mich selbstständig gemacht.

Jetzt könnte ich ja sagen, ich habe mich TROTZ meiner Diagnose selbständig gemacht. Das stimmt aber nicht. Der Satz ist falsch. Der richtige Satz lautet: Ich habe mich WEGEN meiner Diagnose selbstständig gemacht.

Ich hätte es einfacher haben können. Ich war damals fest angestellt. Also meine ganze Schreiberei für Schlagzeugmagazin und so weiter, war so ein bisschen nebenberuflich. Ich hätte - das war öffentlicher Dienst, schlecht bezahlt, aber – hallo? - ich hätte Urlaub machen können, ich hätte krank feiern können, ich hätte Kuren machen können, ich hätte vielleicht sogar mittlerweile wäre ich in Frühpension… Ja, also die soziale Hängematte, die schaukelte schon vor meinen Augen. Ich hätte mich ganz, ganz elegant da reinlegen können.

Da habe ich gemerkt, nee, das ist nicht meine Welt. Das kann es nicht sein, das kann es nicht sein.

Und dann habe ich mich damals hingesetzt mit einem leeren weißen Blatt Papier und habe aufgeschrieben: Was kann ich am besten – übrigens, das war noch vor der Zeit, wo ich das Wort Coaching überhaupt kannte -, ich habe mich hingesetzt: Was kann ich am besten, was davon macht mir am meisten Spaß und was davon lässt sich als Dienstleistung verkloppen. Da kam unter anderem Rhetoriktraining bei raus. Frei nach dem Motto: Ich kann vor Leuten reden, dann kann ich es auch anderen beibringen. Blauäugig, aber – läuft.

Ich habe angefangen bei der - ganz banal - bei der Kreisvolkshochschule Ahrweiler, habe da meine ersten Seminare gemacht, dann war ich bei der IHK Koblenz, dann irgendwann kam das Forum Institut dazu - also von daher hat sich das so nach und nach entwickelt. Und ich mich natürlich auch. Und ganz wichtig: Habe mich immer auch in Netzwerken bewegt, das war mir immer sehr wichtig. Ich hatte auch Trainer als Supervisoren in meinen Trainings und so weiter. Ich wollte einfach wissen: Kann ich das überhaupt? Übrigens, die erste Reaktion war: „Mach das bloß weiter!“ Okay. Und dann kam ich damals auch natürlich irgendwann zur GSA und ich war damals auf der GSA Convention in Mannheim - das ist schon ein paar Jährchen her. Und drei Dinge habe ich von dieser Convention mit nach Hause genommen:

Erstens: Du brauchst ein Buch!

[Lachen]

Zweitens: Du brauchst einen Namen. Also nicht deinen normalen Namen, der quasi in deinem Geburtspass steht, sondern wirklich schon so eine Bezeichnung, und drittens: Ich glaube, ich muss hier Mitglied werden!

Ein Jahr später war ich Mitglied bei der GSA, hatte mir einen Namen gefunden, erfunden - ich war die „Redenstrafferin“ – ja, Rhetoriktrainer gab´s ja schon -, und war dann auch an dem Punkt, wo ich sagte, okay, jetzt Buch. Das Buch war im Anstich: „Reden straffen statt Zuhörer strafen“. Ein Hoch - ja, ihr lacht, aber ein Hoch auf den Gabal Verlag, der hat ein großes Herz!

[Lachen]

Und dann wurde ich irgendwann auch mal Mitgründerin und Patin der Regionalgruppe in Köln-Bonn, mittlerweile bin ich Mentorin - und so weiter, und so weiter… Also ich sag mal so: Fragt bitte nicht, was kann die GSA für mich machen. Überlegt immer erst mal: Was kann ich für die GSA machen? Aber das war nur ´ne Fußnote am Rande…

[Applaus]

Die GSA war für mich auch sofort so ein Vorbildgeber, bis heute! Wir haben ja ein paar Leute in der GSA, da kann man nur sagen, waoh, die haben es ja wirklich geschafft! Also ich meine, ich habe damals schon gedacht: Boah, das willst du auch! Die fetten, großen Bühnen haben, dann wirklich auch großes Geld bekommen für meine Auftritte auf der Bühne – sagt man so, oder? Und ich wollte auch Hochglanzprospekte, ich wollte auch ganz lange Listen mit irgendwelchen tollen Referenzen und super Logos, das wollte ich alles haben und das war mein Traum!

Und dann, parallel dazu, war ich irgendwann mal eingeladen. Ich habe ein Training gemacht, Inhousetraining, für einen Finanzberater und dann wurde ich eingeladen, weil der Chef von dieser Gruppe, der wurde nämlich nicht pensioniert… das Gegenteil, höher, höher, Dings… Wortfindungsprobleme – bitte? Befördert, danke! Und der hat ´ne Riesenparty gemacht. Der hat gefeiert in der Wolkenburg in Köln. Sehr edles Ambiente, wer's kennt, und mit 400 Gästen hatte er seine Beförderung gefeiert. Das war noch vor der Finanzkrise, ziemlich knapp davor. Und ich war auch eingeladen. Ich durfte auch meinen Mann mitbringen, so als Handtäschchen…

Und ich kann mich erinnern, dass wir wirklich den ganzen Abend da gesessen haben und uns das Spiel angeschaut haben, wie die waren. Alles so junge, zum großen Teil gutaussehend Kerle – waren schon geile Seminare für die, also, das hat mir schon Spaß gemacht - also Kerle mit teuren Anzügen, dicken Uhren, die Frauen oder Freundinnen an der Hand hatten teure Klamotten an, und es ging den ganzen Abend darum, wie mache ich die fette Kohle, wie werde ich… wie mache ich den nächsten dicken Auftrag klar und überhaupt…

Wir haben uns das nur angeschaut. Und dann sind wir nach Hause gefahren - von Köln in die tiefe Eifel. Ja nun, da wohne ich halt mittlerweile. Und auf der Rückfahrt gibt es so eine Stelle, da gibt es das Kreuz Meckenheim. Und vom Kreuz Meckenheim sind es noch 30 Kilometer über die Landstraße, bis wir zuhause sind. Also wirklich so über die Dörfer.

Und jeder Kilometer, jeder einzelne Kilometer hat mich immer mehr wieder zurück auf den Boden gebracht – weg von diesem Wolkenkuckucksheim.

Und ich habe gemerkt: „Nee, Moment mal, das Leben ist doch… das spielt ganz woanders, das Leben spielt doch ganz woanders.“

Und ich war zum Beispiel auch zwölf Jahre bei uns im Verbandsgemeinderat. Da wirst du richtig reingewählt, also das ist schon - frisch zugezogenen - schon nicht schlecht. Fünf Jahre im Kreistag nebenbei… Und in den ganzen zwölf Jahren war ich im Werksausschuss Mitglied. Kennt ihr das? Das ist nichts anderes, als 99 Prozent der Zeit, in der nur überlegst, wo wir die nächsten Abwasserrohre hinlegen oder alte reparieren – und das! Erdet!

[Lachen]

Und dann habe ich irgendwie parallel dazu gedacht, ich muss auf die großen Firmen, ich muss auf die Top-Etagen, ich will… und da will zu den CEOs, und da will ich hin und überhaupt… Und Rhetoriktrainer, okay, gab es viele, ich glaube, hier haben wir auch ein paar… Aber ich wollte die PS auf die Straße bringen, ich wollte immer perfekter werden.

Und parallel meldete sich mein Körper und sagte: „Du, hörma, das mit der Diagnose, das war keine fake news, das war schon ernst gemeint. Und das bisschen Pillepalle bis hierhin, das vergessen wir mal ganz schnell. Wir drehen jetzt mal ein bisschen den Hahn auf!

Und auf einmal merkte ich: Uups, du hast den Scheiß ja wirklich!

Und dann kam ein Gehstock in mein Leben. Und zwar nicht so´n Gehstock, wie man den von der Krankenkasse bekommt, also wo man älter aussieht, als man eigentlich werden will… Sondern wirklich einen schicken Gehstock gekauft, selber gekauft - bezahlt keine Krankenkasse…

Weil - ich wollte vermeiden, dass die Seminarteilnehmer irgendwann sagen: „Na, die Frau Kerschgens, die geht so komisch? Nicht, dass die um 10 Uhr schon besoffen ist?“ Das wollte ich vermeiden. Ich wollte auch vermeiden, immer zu sagen: „Hey, ist schon gut, passt schon, ich bin nur n´bisschen naturstoned…“ Fand ich jetzt auch nicht so passend…

Ich hatte mal ´nen Teilnehmer – also, da hatte ich schon meinen Gehstock und ich merkte auch, mein Thema, das wurde immer so ein bisschen… Ich musste es ja erwähnen, warum habe ich das Ding dabei? Und in Nebensätzen oder so kurz vor der Kaffeepause, da habe ich eben darüber gesprochen. So ein bisschen, wie ich damit umgehe und so weiter.

Und da kam nach dem Seminar ein Teilnehmer zu mir und sagte: „Frau Kerschgens, das Seminar war klasse, vielen Dank, war toll - aber das, was sie zwischendurch von sich erzählt haben, was sie uns da mit auf den Weg gegeben haben, das hat mich ganz tief im Herzen berührt“, und er hatte das Wasser in den Augen stehen. Da dachte ich: Oh, da tut sich offenbar ein neues Thema auf. Und tatsächlich, ich bin auch über die Jahre dann weicher geworden, weil ich Hilfe annehmen musste, zwangsläufig. Irgendwann konnte ich den schweren Kram nicht mehr schleppen. Früher, Schlagzeug, elf Kisten, einer davon Hardwaretasche: 40 Kilo, kein Thema. Das ging nicht mehr. Also brauchte ich Hilfe.

Das passt zum Motto: Ich wurde immer menschlicher und das fokussierte mich übrigens. das Thema Digitalisierung, da arbeite ich noch ein bisschen dran… Also, mein Thema war, ehrlich mit sich selbst sein, Lebensmut haben und entwickeln und behalten oder so Sachen wie ein Schicksal annehmen und daraus vielleicht einen Plan B entwickeln… Das war mein Thema - und damit wurde das Thema Perfektion zum Thema Perforation, denn für mich wurde das Loch zum Thema, nicht das Schicke drumherum…

Das ist jetzt 18 Jahre her, jetzt mittlerweile nenne ich mich PlanBMentorin, ich habe natürlich auch dazu ein Buch herausgebracht - das könnt ihr auch hier kaufen. Ich habe übrigens mittlerweile acht Büchern herausgebracht, aber, jaha, aber davon war bisher noch keins ein Bestseller…

Ich habe auch noch nie die erste Auflage selber abgekauft…

[Lachen, Applaus]

Im November letzten Jahres habe ich dann mein letztes Seminar gegeben, weil ich merkte ich kann´s nicht mehr, ist zu anstrengend, ist zu viel, das geht nicht, zu aufwendig. Und ich hatte so´n GSA-Traum damals - nach dem Motto: Irgendwann, irgendwann schaffst du es mal, dass du nur noch Vorträge gibst und so ein paar exklusive Einzelcoachings.

Ratet mal, wo ich jetzt bin…

Ja gut, okay, reich wird man damit nicht - also ich zumindest mal nicht. Irgendwann vielleicht… Aber ich kann mich erinnern, ich hatte eine Einladung voriges Jahr. Da sollte ich bei einem Frauenfrühstück sprechen. Die Frauen unter euch hier wissen: Das bringt nicht wirklich viel…

[Lachen]

Eigentlich nicht. Die Veranstalterin sagte mir: „Ja, wir erwarten so ungefähr 30 Frauen.“ Ja, okay, kuschelig, machenwa… Da kam ich dahin und das erste, als ich den Raum kam, also, rein rollte, war eine Frau, die mir sofort um den Hals fiel: „Ich freue mich so, sie zu sehen und ich habe sie schon beim Seminar und Vortrag… und überhaupt, ich bin nur wegen ihnen hier!“ „Waoh", dachte ich, „toll, danke!“ Da habe ich mich sehr gefreut. Und dann habe ich mal ein bisschen geguckt: Der Raum war gesteckt voll! Da saßen 70 Frauen! Und die Veranstalterin sagte zu mir: „Die kommen alle wegen ihnen!“

Und das sind so Momente, ey, die kannst du mit Geld nicht bezahlen…

[Applaus]

Und sind wir mal ganz ehrlich: Ja, ich hatte immer ein total schönes Auto, mein letztes Auto habe ich so geliebt, bis ich es selber nicht mehr fahren konnte… Jetzt hat mein Mann die schicken Autos... Okay, ich hatte immer den Kühlschrank voll, ich hatte immer ein Dach über dem Kopf - und damit unterscheide ich mich, damit unterscheiden wir alle uns – jetzt noch - von Milliarden von Menschen auf diesem Planeten.

Und ich hatte noch so einen GSA-Traum: Irgendwann wollte ich mal die großen Bühnen haben. Nicht so 50, 100 Leute, sondern wirklich die großen Bühnen, richtig fett. Ich bin so bis 3-400 Leute bin ich gekommen. Und voriges Jahr durfte ich auf der Rednernacht von Gedankentanken sprechen. Das kennen ja einige von euch bestimmt - übrigens auch GSA-Kontakt – Stefan Frädrich? Hallo?

Aber das nur am Rande… Ich weiß noch, ich habe meinen Vortrag gehalten, ich stand, nein, ich saß auf der Bühne – und nach meinem Vortrag sind über 2.000 Menschen aufgestanden…

Und das sind so Momente, da ist mir ganz klar: Das war unmöglich, das zu erreichen, wenn ich angestellt geblieben wäre. Ich wäre niemals, ich hätte das niemals erleben dürfen, wenn ich in der sozialen Hängematte weiter geschaukelt wäre…

…und das lernt man auch nicht in drei Tagen…

[Applaus]

Ich empfinde es als Privileg unserer Branche, dass wir alle nicht nach der Pfeife unseres Chefs tanzen müssen. Wir tanzen vielmehr nach der Pfeife von tausenden von Teilnehmern und Zuhörern. Aber die Melodie, die suchen wir uns selber aus.

Macht was draus. Danke!

[Applaus]

Kundenstimmen

„Von ganzem Herzen ein großes Dankeschön! Super gutes, strukturiertes Coaching, mit einer großen Portion Humor. Katja Kerschgens ist sehr kompetent und ich kann sie zu 100 Prozent weiterempfehlen. Meine Selbsterkenntnis, die ich durch das Coaching erfahren habe, hilft mir nun sehr, mich selbstbewusster zu präsentieren, sowohl privat als auch beruflich. Eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte!“

Yvonne Kruska Bürofachwirtin Ratingen

„Das Coaching hat ohne Übertreibung mein Leben verändert. Vielen lieben Dank für diesen wundervollen und ganz besonderen, unvergesslichen Tag.“

Dr. Dr. Birgit Dresar-Mayert Gruppenleiterin Arzneimittelmanagement AOK Hessen

„Die Arbeit mit Ihnen war für mich nicht nur professionell, inspirierend und lehrreich, sondern auch von Freude, Optimismus und viel Vertrauen geprägt. Sie haben mir auf charmante Art geholfen, über meine schwachen Punkte hinweg zu steigen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und meinen Fokus zu halten. Für mich war die Zusammenarbeit mehr als ein Coaching und ich bin von Ihrem außerordentlichen Engagement mehr als beeindruckt! Ich würde es wieder tun und freue mich auf jeden weiteren Kontakt!“

„Ich bedanke mich für Ihre Unterstützung. Das Personal Coaching bei Ihnen zählt zu meinen Höhepunkten! DANKE! Ein unvergesslicher Tag! Mitreißende, motivierende, zielorientierte Trainerin mit viel Witz! – Just do it! – Gönnen auch Sie sich Ihr persönliches Coaching bei Frau Kerschgens!“

Christiane Röper Wirtschaftsförderung Kreisverwaltung Birkenfeld

„Mich hat es wirklich überrascht, wie man mit wenigen Tipps und Tricks sein Selbstwertgefühl steigern kann. Es hat mir wirklich super gefallen!”