Schildkrötenblues

VBild könnte enthalten: Hundielleicht war es das letzte Mal. Das letzte Mal, dass ich in meinem Elternhaus war. Meine Mutter wird in gut zwei Monaten zu uns in die Eifel ziehen. Derzeit räumt sie alle Schränke und Regale aus, verschenkt Sachen, schmeißt weg, reduziert. Sie macht das mit viel Mut, Elan und Energie, was ich mit großer Freude sehe.

Mehr als ein halbes Leben wohne ich schon nicht mehr dort, und dennoch gab es einen recht melancholischen Moment. Aber aus einem ganz anderen Grund, als er auf der Hand zu liegen scheint.

Meine Mutter hatte die alte sigikid-Schildkröte hervorgekramt, die ich mal in meinem Jugendjahren von meinen Eltern geschenkt bekommen hatte. Sie platzierte sie im Wohnzimmer, damit unser kleiner Flummi einen Platz dort hatte. Und tatsächlich – der Hund nahm die neue Liegestatt an.

Das war der Moment, wo ich wirklich melancholisch wurde. Wenn mir das jemand damals als Jugendliche gesagt hätte, dass Jahrzehnte später auf diesem Kissen ein kleiner Hund liegen würde, der zu mir gehört – what?

Die letzten 30 Jahre flogen vor meinem inneren Auge vorbei. Und dieses einfache Bild von dem Hund auf dem Kissen zeigte mir mal wieder, dass es immer irgendwie weitergeht. Anders, als gedacht, aber weiter. Natürlich mit unvorhersehbaren Entwicklungen, von denen es ganz bestimmt gut ist, dass man sie nicht vorher wusste. Aber rückblickend haben sich immer neue Chancen, Möglichkeiten und Alternativen eröffnet.

Wir können alle die Zukunft nicht vorhersagen, aber der Blick zurück kann zuversichtlich stimmen für die kommende Zeit. Daher erlaube ich mir, den dritten Artikel des rheinischen Grundgesetzes zu zitieren: Et hätt noch emmer joot jejange.

Mach was draus.